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Ein Wohnzimmer im Spital

Zelt - Chatroom mit Stehtisch im Vordergrund

Selbsthilfe erlebbar machen. Das ist das Ziel der Jubiläumsaktion des Netzwerkes Selbsthilfe und Ehrenamt. Seit 1997 ist dieses die Selbsthilfe-Kontaktstelle im Kreis Steinfurt in Trägerschaft des Paritätischen Wohlfahrtsverbands. Am Sonntag, 9. Juli, bringt das Netzwerk Selbsthilfe hautnah ins Foyer des Mathias-Spitals in Rheine. Mit einem Wohnzimmer. „Chatroom“ nennt sich das besondere Jubiläumskonzept. Kernstück: Ein bedruckter Pavillon, der eben aussieht wie ein Wohnzimmer. Mit gemütlichen Sitzgelegenheiten, Erfrischungen. Mit spannenden Themen - und mit Zeit. Zeit, Selbsthilfe zu erleben. Wohnzimmer-Feeling statt Stuhlkreis. Weitgehend anonym, spontan, so lange oder so kurz man eben möchte. Nur reinschnuppern oder mitreden, alles ist möglich.

„Wir nutzen unser 20jähriges Jubiläum, um Selbsthilfe noch stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Selbsthilfe darf kein Tabuthema sein. Es darf und soll eine breite Öffentlichkeit erreichen“, erläutert Julia Gakstatter vom Netzwerk. So gab es bereits einen erfolgreichen Chatroom auf dem Emsdettener Markt und in der Ibbenbürener Innenstadt. Nächster Halt: Rheine. Eine gute Idee, wie Karin Christian, Pflegedirektorin bei der Stiftung Mathias-Spital Rheine, in einem Interview bestätigt.

Karin Christian, Pflegedirektorin bei der Stiftung Mathias-Spital Rheine

Das Mathias-Spital ermöglicht es dem Netzwerk Selbsthilfe und Ehrenamt einen großen Personenkreis zu erreichen. Ärzte- und Pflegepersonal, Pflegeschüler, natürlich Patienten und Angehörige. Für wen ist Selbsthilfe besonders interessant oder finden Sie das Thema für alle relevant?

Christian: Ich denke, das Thema sollte für alle relevant und von Interesse sein. Dem Engagement der Selbsthilfegruppen ist es zu verdanken, dass sie einen wichtigen Beitrag zur Gesunderhaltung leisten und ein Angebot für Betroffene darstellen.

Sie waren direkt zur Unterstützung der Aktion "Chatroom - Selbsthilfe erleben" bereit. Was hat Sie besonders angesprochen?

Christian: Ich halte die Arbeit der Selbsthilfegruppen persönlich für sehr wichtig, damit unsere Patienten bei einer schwerwiegenden Diagnosestellung auch nach dem Krankenhausaufenthalt eine Anlaufstelle haben und gut aufgefangen werden. Leider ist es immer noch so, dass die Arbeit und das Engagement der Selbsthilfegruppen wenig bekannt ist, das betrifft nicht nur Patienten sondern auch professionell Tätige in Einrichtungen des Gesundheitswesens. Fachkräfte diagnostizieren und behandeln Erkrankungen, kennen diese aber in der Regel nicht aus eigener Betroffenheit. Durch die Zusammenarbeit mit Selbsthilfegruppen können Fachkräfte besser verstehen, wie eine Diagnose den Alltag beeinflusst und Patienten gezielt darin unterstützen, diese Veränderungen zu bewältigen. Frau Gakstatter hat die Veranstaltung sehr praxisnah und positiv vorgestellt und die Umsetzung professionell geplant. Das, sowie das niedrigschwellige Angebot und die Methode haben mich, aber auch alle Verantwortlichen in der Stiftung angesprochen. Wir sind davon überzeugt, dass die Veranstaltung ein Erfolg wird.

Wo sehen Sie Schnittstellen von Krankenhausalltag und Selbsthilfeangeboten?


Christian: Patienten und Angehörige werden während des Krankenhausaufenthaltes auf die Möglichkeit zur Teilnahme an einer für sie geeigneten Selbsthilfegruppe informiert. Erfahrungen der Zusammenarbeit gibt es in den letzten Jahren zahlreiche. Sie sind getragen und geprägt vom Engagement Einzelner. Die Selbsthilfe hat sich als ergänzender Bereich der gesundheitlichen Versorgung etabliert und ist als solche anerkannt. Fachleute im Gesundheitswesen - die Selbsthilfe kennen und schätzen gelernt haben – wissen die Leistungen der engagierten Betroffenen immer mehr zu schätzen. Dabei zeigen die Erfahrungen, dass Selbsthilfegruppen hilfreich sind, um Krankheit, psychosoziale und sonstige Probleme zu bewältigen. Die Diagnose einer schweren Erkrankung zwingt viele Patienten ihr Leben zu ändern. Die damit verbundenen Bewältigungsprozesse können in der Klinik nur beginnen. Selbsthilfegruppen sind dann oft ein wichtiger Teil des Übergangs in die Nachsorge und bilden eine Brücke von der Krankenhausbehandlung in die alltägliche Lebenswelt der Patienten.

Welche Möglichkeiten bietet diese besondere Kooperation?

Christian: Die Zusammenarbeit mit verschiedenen Selbsthilfegruppen ist in vielen Fachabteilungen seit Jahren selbstverständliche Routine und hilft uns unsere Patienten optimal zu versorgen. Auftrag und Ziel unserer Arbeit in den Einrichtungen der Stiftung Mathias-Spital ist es, eine hohe Qualität in der medizinischen und pflegerischen Betreuung sicherzustellen. Im Vordergrund unserer Bemühungen steht der Mensch, seine Zufriedenheit mit den von uns erbrachten Leistungen zum Erhalt bzw. zur Steigerung seiner Lebensqualität. Und gerade hier hilft uns die enge Kooperation mit Selbsthilfegruppen unseren Auftrag zu erfüllen. Daher begrüßen wir die Kooperation und nutzen die Möglichkeit, Selbsthilfe als ergänzendes Angebot wahrzunehmen, indem wir an Selbsthilfegruppen vermitteln, dort wo unserem professionellen Handeln Grenzen gesetzt sind.

Wo sind Ihre professionellen Berührungspunkte mit Selbsthilfe in Ihrer Funktion als Pflegedirektorin?

Christian: In meiner Funktion unterstütze ich darin, mit Selbsthilfegruppen zusammenzuarbeiten da professionelles Wissen erst dann umfassend und nachhaltig wirken kann, wenn es mit dem Alltags- und Erfahrungswissen von Betroffenen verschmilzt. Patienten die sich auf Grund einer Erkrankung einer Selbsthilfegruppe anschließen, gehen aktiver mit den Belastungen dieser Krankheit um. Sie profitieren somit von den Erfahrungen und Kenntnissen anderer, die in ähnlicher Weise betroffen sind.

Weshalb finden Sie persönlich Selbsthilfe wichtig?

Christian: Selbsthilfe ist wichtig, weil es zusammen besser geht, d. h. Patienten und Angehörige finden in einer Selbsthilfegruppe Unterstützung, Beratung, ein offenes Ohr und lernen Menschen kennen, denen es genauso geht. Sie können sich hierdurch gegenseitig bei der Bewältigung ihrer Krankheit unterstützen, informieren und motivieren einander. Das steigert die Lebensqualität und fördert die Gesundheit.

INFOKASTEN:
Los geht’s am Sonntag, 9. Juli, im Foyer des Mathias-Spitals um 14 Uhr mit dem Thema: „Selbsthilfe - was bringt mir das?“. Um 15 Uhr heißt es dann: „Diagnose chronisch krank - und jetzt?!“. Um 16 Uhr geht es im Chatroom um das Problem: „Hilfe, mein Arzt versteht mich nicht.“ Das Motto aller Themen: Einfach mal reinschauen und erleben. Jeder ist willkommen.

 



 
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